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Ein tierischer Musikfilm für Kinder und Erwachsene

Wenn die Kitas nicht zur Kultur dürfen, bringen wir die Kultur zu den Kitas. Das sagten sich die Leitung der Eutiner Festspiele und die Stiftungen der Sparkasse Holstein angesichts des Corona-Lockdowns.

Von Christian Thiesen

BQ285 - Carnival of the Animals by Camille Saint-Saens arranged by Bill Holcombe and Bill Holcombe Jr. for Brass Quintet © 2013 Musicians Publications (ASCAP) Used with permission.

Foto: Screenshot
© Christian Thiesen


Ursprünglich hatten sie geplant, „Max und Moritz“ von Wilhelm Busch im Februar als musikalisches Theaterstück für Kita-Kinder in Eutin aufzuführen. Aufgrund der Einschränkungen durch die fortdauernde Pandemie musste das Vorhaben jedoch auf Ende dieses Jahres verschoben werden.

Die Veranstalter suchten stattdessen nach alternativen Formaten, für die eine Präsenz vor Ort nicht nötig war, und wurden fündig: In der Videoproduktion „Karneval der Tiere" erweckt das Festspielensemble mithilfe von Puppen und Masken die Tiere und die Musik des gleichnamigen Kammermusikstücks von Camille Saint-Saens zum Leben. Und entführt die Zuschauer so in eine bezaubernde Welt, bevölkert von Löwen, Schildkröten, Eseln, Fischen, Schwänen und sogar Fossilien. Das Werk des französischen Komponisten, das 1886 uraufgeführt wurde, wird dabei in einem eigens für Blechbläser geschaffenen Arrangement von Bill Holcombe präsentiert und die Musik von fünf Blasmusikern gespielt.

Das so entstandene Video wurde zunächst 160 Kitas in Stormarn und 100 Kitas in Ostholstein mittels Link zur Video-Plattform YouTube zur Verfügung gestellt. In den Kitas wurde der Link dann an Eltern und Kinder weitergeleitet. Nun ist er öffentlich und die Aufführung damit für ein breiteres Publikum zu sehen und zu hören.

In dem Orchesterstück von Camille Saint-Saens werden in 14 Teilen verschiedene Tierarten porträtiert und parodiert, musikalisch werden ihre Bewegungen, Geräusche und Laute nachgestellt. In der Eutiner Aufführung können die Zuschauer neun Tiere und ein großes Finale erleben. Um die dargestellten Tiere kindgerecht vorzustellen, werden den musikalischen Porträts der Blechbläser kurze Abschnitte mit Stofftieren und Tiermasken vorangestellt. Sie werden in einer Puppenspielbühne präsentiert. So wissen die kleinen Zuhörer*innen und Zuschauer *innen immer, welches Tier als nächstes musikalisch dargestellt wird. Am Ende des Stückes sind dann auch die Blechbläser mit Tierkostümen und -masken zu sehen.

„Eine Videoproduktion erschien uns als die einzige Möglichkeit, den Kindern nach der Absage des ursprünglichen Theaterstücks etwas zu bieten“, sagt Anna-Luise Hoffmann, die Produktionsleiterin der Eutiner Festspiele. „Im Februar zur Karnevalszeit, die ja gewöhnlich auch in den Kitas gefeiert wird, bot sich dafür dann der Karneval der Tiere von Saint-Saens an.“ So sei innerhalb von rund zwei Wochen das Video zum Orchesterstück entstanden.

Der musikalische Part der Blechbläser wurde dazu auf der Studiobühne der Festspiele in Eutin gespielt und gedreht. Das Puppenspieltheater wiederum wurde im Haus von Anna-Luise Hoffmann aufgebaut. Dort half die ganze Familie beim Videodreh: Die Produktionsleiterin bewegte die Stofftiere und Puppen aus dem Fundus ihres zweieinhalbjährigen Sohnes und erscheint selbst einmal mit einer Schwanenmaske, ihr Lebensgefährte nahm alles mit der Kamera auf. Die Tierkostüme der Musiker am Schluss der Aufführung stammen wiederum aus dem Fundus der Festspiele. „Bei dem Videodreh hatten wir alle viel Spaß miteinander“, erzählt Hoffmann.  

Die gesamte Aufführung dauert rund 24 Minuten. Sie ist vor allem für Kinder ab vier Jahren geeignet. Diese können ihnen bekannte Tiere einmal ganz anders erleben und herausfinden, welche der tierischen Eigenarten sich in der gespielten Musik wiederfinden. Und für Erwachsene bietet das Werk aus Eutin mal ein Konzerterlebnis der anderen Art mit einem schönen Stück klassischer Musik, das Lust auf Kultur macht.