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„Schon immer ein Rebell“ – Ewald Lienen kommt nach Trittau

Er ging als Spieler und Trainer in die Fußballgeschichte ein. Bekannt ist der 67-Jährige aber auch
für sein Auftreten neben dem Platz. In der Wassermühle liest er aus seiner Autobiografie.

Text von Arne Bachmann, Lienen-Foto im Stadion: @ Markus Tedeskino

Geschichten über legendäre Fußballspiele, der Blick hinter die Kulissen, humorvoll beschriebene Anekdoten aus mehreren Jahrzehnten – und Kritik am Business. Ewald Lienens Buch „Ich war schon immer ein Rebell: Mein Leben mit dem Fußball“ ist nicht nur für Sportfans interessant. Am 5. November liest der ehemalige Spieler, Trainer, Funktionär und aktuelle Marken- und Wertebotschafter des FC St. Pauli in der Trittauer Wassermühle.

Lienen, heute 67 Jahre alt, wuchs in Ostwestfalen auf und begann nach dem Abitur eine Karriere als Profifußballer. 1974 debütierte der Linksaußen für Arminia Bielefeld, von wo aus er drei Jahre später zu Borussia Mönchengladbach wechselte. Dort gewann er 1979 den Europapokal. In den 90er-Jahren ließ er seine aktive Karriere beim MSV Duisburg ausklingen und begann parallel seine Trainer-Ausbildung.

Als Coach kam Lienen weit herum. In Deutschland trainierte er unter anderem Hansa Rostock, Hannover 96, 1860 München und den 1. FC Köln. International war er beim spanischen CD Teneriffa, in Athen und Piräus sowie beim rumänischen Club Otelul Galati aktiv. 2017 bis 2020 arbeitete er als Technischer Direktor beim FC St. Pauli, wo er nun Botschafter ist. Lienen tritt als TV-Experte auf und betreibt einen Fußball-Podcast.

Doch Lienen stand in seinen Karrieren immer für mehr als für Tore und Titel. Schon als Spieler war er ein Rebell, nicht bloß wegen seiner Erscheinungsbildes mit Bart und langen, wilden Haaren. Er eckte an, vertrat seine Meinung, auch politisch. Weil er – anders als andere Nationalspieler – über die Militärdiktatur im WM-Gastgeberland Argentinien nicht schwieg, brachte er sich um die Chance, für das Turnier 1978 nominiert zu werden. 1985 kandidierte er bei den Landtagswahlen in Nordrhein-Westfalen für das Wahlbündnis „Die Friedensliste“.

Auch unfreiwillig erlangte er Bekanntheit. So wurde Lienen Opfer des wohl berühmtesten Fouls der Bundesliga-Geschichte, als ihm ein Gegenspieler mit dem Stollen den Oberschenkel aufschlitzte. Als Trainer stand Lienen vor allem für Akribie. Während der Spiele seiner Mannschaften machte er sich ständig Notizen, den Block legte er oftmals nicht mal beim Jubeln aus der Hand. Das brachte ihm den Spitznamen „Zettel-Ewald“ ein. Doch auch als seriöser und hochangesehener Trainer scheute er sich nicht, querzuschießen. Investoren im Fußball verglich er mit Raubtier-Kapitalisten, er warnt immer wieder vor dem Ausverkauf des Fußballs, der seine Wurzeln zu verlieren drohe. Lienen machte homosexuellen Fußballer Mut zum Outing, tritt immer wieder für Toleranz und soziale Werte ein. 2017 wurde er vom Fußballkultur-Magazin 11Freunde als „Typ der Saison“ ausgezeichnet.

Aus seiner Autobiografie konnte Lienen lange nicht mehr vorlesen. „Ich freue mich schon sehr auf die Lesung in Trittau“, sagt Lienen. „Nach einer langen Zeit ohne Veranstaltungen vor Publikum geht es endlich mal wieder auf die Bühne. Noch dazu in der Nähe von Hamburg, also im Einzugsbereich unserer Fans vom FC St. Pauli.“ Unterstützt wird er dabei von einem Moderator. Anschließend können Zuschauer:innen Fragen stellen.

Hauck Fotografie 21
Foto zeigt Veranstalter Carsten Holst, @Hauck Fotografie,

Veranstalter der Lesung ist ebenfalls ein kulturinteressierter Fußballcoach. Carsten Holst ist im Kreis Stormarn als früherer Trainer unter anderem in Bargteheide, Trittau und Barsbüttel bekannt. Beim SSC Hagen Ahrensburg ließ er seine Trainerlaufbahn ausklingen, derzeit ist der 62-Jährige dort als Ligamanager für administrative Dinge zuständig. Schon vor zehn Jahren organisierte er Kulturveranstaltungen, unter anderem mit Harry Rowohlt und Eva-Maria Hagen.

„Vergangenes Jahr im Mai saß ich zu Hause und habe überlegt, was man machen könnte“, erzählt Holst, der in Trittau wohnt. „Ewald Lienen fand ich immer interessant, weil er ein sehr eigenständiger, nicht stromlinienförmiger Charakter ist und auch ein sehr guter Analytiker. Was er sagt, ist fundierter als das, was man meistens so hört.“

Für die Lesung am Freitag, 5. November, 20 Uhr, in der Wassermühle Trittau (Am Mühlenteich 3) gibt es Tickets im Vorverkauf. Der Buchladen in Trittau (Poststraße 31) bietet die Karten zum vergünstigten Preis von 18,50 Euro an. Tickets an der Abendkasse kosten 22 Euro. Der Einlass beginnt um 19 Uhr.

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